Nach Ansicht des LG Düsseldorf genieße zum einen die Widerrufsbelehrung nicht den Vertrauensschutz des damals gültigen Musters, da die Sparkasse Neuss u.a. die Fußnote: „Bitte Frist im Einzelfall prüfen“ eingefügt hat. Dies sei entgegen der Auffassung der Sparkasse Neuss keine marginale Abweichung, da der Darlehensnehmer den Eindruck
gewinnen kann, er müsse die Länge der Widerrufsfrist selbstständig prüfen.

Außerdem sei nach Ansicht des LG Düsseldorf die Widerrufsbelehrung auch deshalb unwirksam, da es sich aus Widerrufsbelehrung nicht ergäbe, unter welchen Umständen die
Widerrufsfrist „frühestens mit Erhalt dieser Belehrung“ beginne.

Entgegen der Ansicht der Sparkasse Neuss sei das Widerrufsrecht trotz des Umstandes, dass der Kreditvertrag bereits vor über 6 Jahren geschlossen wurde, auch nicht verwirkt, weil das Darlehen noch nicht zurückgezahlt worden sei. Schließlich sei der Widerruf auch nicht rechtsmissbräuchlich, da die Sparkasse Neuss selbst schuld daran sei, dass das
Widerrufsrecht noch bestehe und der Darlehensnehmer keine Kenntnis davon gehabt habe, dass er nach der zweiwöchigen Frist noch widerrufen könne.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Rückabwicklung nach einem Widerruf führt in der Regel dazu, dass der Kreditnehmer nur einen geringeren Betrag als das Darlehenssaldo zurückzahlen muss. Außerdem bietet der Widerruf die Möglichkeit, ein „teures Darlehen“ vor Ablauf der Zinsbindungsfrist mit einem günstigeren Darlehen ablösen zu können, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen.

Wir raten deshalb Betroffenen Kreditnehmern an, ihre Ansprüche fachkundig prüfen zu lassen.

Patrick M. Zagni

Rechtsanwalt / Fachanwalt für
Bank- und Kapitalmarktrecht