„Alle Bestandteile des Meadows-Komplexes, die den Banken zur Besicherung gegeben wurden, sind der Kontrolle der beteiligten KanAm-Fonds entzogen“ wird dort lapidar mitgeteilt. Der dort erwähnte Begriff „Kontrollentzug“ bedeutet nichts anderes, als dass die finanzierenden Banken die Kontrolle übernommen haben und versuchen, den Schaden noch zu reduzieren. Für die Anleger der betroffenen KanAm-Fonds hat es aber keine positive Auswirkung: „Das Geld ist weg“ sagt ein KanAm-Sprecher. Damit scheitert das größte Immobilienprojekt des Münchner Fondsanbieters: 500 Millionen US-Dollar von rund 4.000 deutschen Sparern sind verloren !

Bereits im Jahr 1995 begannen die Planungen für den Bau eines riesigen Shopping- und Unterhaltungszentrums auf dem Meadowlands-Gelände in New Jersey bei New York. Deutsche Sparer sollten rund 1/3 der Finanzierungskosten tragen, und zwar über eine geschlossene Fondsbeteiligung. Die beiden Fonds „Real Estate Partner’s 1“ und „KanAm 22“ haben ihr Kapital ausschließlich in dieses New Yorker Einkaufszentrum investiert.

Während der Fonds „KanAm 22“ bislang – je nach Einstiegszeit – zwischen 25 und 29% der Anlagesumme ausgeschüttet hat, was den Gesamtverlust für den Sparer zumindest ein wenig mindert, haben Anleger des „Real Estate Partner’s 1“ hingegen alles verloren, da bei diesem Projekt von Anfang an kein Geld ausgeschüttet wurde.

Die Finanzprobleme für das ehrgeizige Projekt spitzten sich im Jahr 2008 zu, als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Pleite ging. Ein Fonds von Lehman war an dem Bauprojekt beteiligt und konnte dann seinen Teil der Verpflichtungen für den Bankkredit in einer Gesamthöhe von rund 500 Millionen US-Dollar nicht mehr erfüllen. Die involvierten Banken machten daraufhin Druck, die Suche nach neuen Kapitalgebern begann, um den Lehman-Ausfall zu kompensieren.

„Der Kreditvertrag sah vor, dass sie das Projekt übernehmen, wenn es zu einem Zahlungsausfall kommt“, so ein KanAm-Sprecher. Die Frist, um einen neuen Kapitalgeber zu präsentieren, endete am 10.08.2010. Dies war auch der Zeitpunkt, in dem die deutschen Anleger ihr Kapital verloren haben. Seitdem haben die kreditgebenden Banken die Kontrolle über das noch nicht fertig gestellte Bauobjekt.

Für die Anleger kommt dies alles sehr überraschend, sie werfen der Fondsgesellschaft KanAm vor, sie zumindest seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 nicht hinreichend informiert zu haben. Zumindest für Anleger, denen nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 noch Fondsanteile verkauft wurden, könnte ein Prospektfehler vorliegen, was zu einer Haftung führen würde.

Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen mit entsprechenden Risiken. Die Produkte werden von Beratern gerne verkauft, da die Provisionen, die die Fondsgesellschaft an die Vermittler bezahlt, hoch sind. KanAm warb bis zuletzt damit, dass man historisch mit seinen Fonds eine durchschnittliche Rendite von rund 15 % erwirtschaftet habe.

Auch die KanAm-Fonds 15, 16 und 20 haben Geld in das Bauprojekt Meadowlands investiert, allerdings beeinflusse das nach Angaben der Fondsgesellschaft die Gesamtrendite dieser Fonds relativ wenig. Grund: Diese Fonds haben das Kapital auch noch in zahlreiche andere Bauprojekte investiert.

Geschädigten Anlegern wird geraten, sich fachkundigen Rat einzuholen. Erfahrungsgemäß wurden die wenigsten Anleger über die tatsächlichen Risiken vor ihrer Unterschrift aufgeklärt.

 

Patrick M. Zagni

Rechtsanwalt / Fachanwalt für
Bank- und Kapitalmarktrecht