Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, hat allein das Emissionshaus MPC Capital bisher EURO 40 Mio. für zwölf angeschlagene Fonds gesammelt. Auch Nordcapital, einer der größten Initiatoren von Schiffsfondsbeteiligungen, hat einen Sanierungsfonds gegründet, mit dem dieser meist hauseigene Schiffsfonds in Schieflage stützen möchte.

Die Konditionen für die Vorzugsgesellschafter der Sanierungsfonds klingen traumhaft: eine angeblich garantierte Verzinsung von 10 bis 12 % p.a. ist keine Seltenheit. Hinzu kommt eine Beteiligung an laufenden Ausschüttungen und dem späteren Verkaufserlös. Die Rückführung des Neukapitals erfolgt vorrangig vor Ausschüttungen an die Altgesellschafter. Der besondere Status der Vorzugsgesellschafter führt dazu, dass diese ihr Geld gleich nach den Banken und nach Begleichung der laufenden Kosten erhalten. Doch geht auch für die Vorzugsgesellschafter die Rechnung nur dann auf, wenn sich die Schifffahrtsbranche in den nächsten Jahren erholt. Denn die versprochenen hohen Zinsausschüttungen müssen natürlich erst einmal erwirtschaftet werden.

Nach einem Bericht des Finanzmagazins "Capital" hat sich die Lage auf dem Schifffahrtsmarkt im ersten Quartal 2010 ein wenig entspannt. Doch wer genau hinsieht bemerkt, dass der erhoffte Aufschwung noch in weiter Ferne liegt. Denn die nur geringfügig gestiegene Auslastung der Schiffe ist vor allem auf ein verordnetes „Langsamfahren“ der Schiffe zurückzuführen. Durch das langsame Fahren sparen die Reeder Treibstoff. Außerdem sind Schiffe länger unterwegs. Bei einer konstanten Frachtmenge führt dies dazu, dass mehr Schiffe eingesetzt werden müssen.

Stellungnahme von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Patrick M. Zagni: "Das Nachsehen bei diesem Konzept haben die Alt-Anleger. Der so sehnlichst erhoffte Rettungsring in Form eines Sanierungsfonds könnte sich schon bald als weiterer Ballast für die Schiffe erweisen. Denn neben den laufenden Kosten und Darlehensverbindlichkeiten haben sich die Reeder nun weitere Zins- und Kapitalrückführungsverbindlichkeiten ins Boot geholt."

Im Vordergrund des angeblichen Rettungskonzepts mit Vorzugsgesellschaften steht neben der beabsichtigten Sanierung der meist hauseigenen Fonds vor allem auch die Aussicht auf ein gutes Geschäft: denn das von den Sanierungsfonds gezimmerte Rettungsboot hat für den absoluten Notfall nur wenige Plätze. Und die Vorzugsgesellschafter haben ihre Plätze bereits reserviert.

Patrick M. Zagni

Rechtsanwalt / Fachanwalt für
Bank- und Kapitalmarktrecht